„Wir geben Hoffnung!“

Freitag, 23. November 2018
  • Im Schulungsraum des „Livelihood Ressource Centers“: In interaktiven Workshops erhalten Teilnehmer Hilfe zur beruflichen Orientierung.
    Im Schulungsraum des „Livelihood Ressource Centers“: In interaktiven Workshops erhalten TeilnehmerInnen Hilfe zur beruflichen Orientierung. Foto: Christoph Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe
  • Die Arbeitsgruppen setzen sich aus Teilnehmern mit unterschiedlichem Alter, Geschlecht und Grad der Behinderung zusammen.
    Die Arbeitsgruppen setzen sich aus Teilnehmern mit unterschiedlichem Alter, Geschlecht und Grad der Behinderung zusammen. Foto: Christoph Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe
  • In einem fiktiven Vorstellungsgespräch üben die Teilnehmer*innen ihre Kommunikations- und Argumentationsfaehigkeit und stärken dabei ihr Selbstbewusstsein. Foto: Christoph Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe
    In einem fiktiven Vorstellungsgespräch üben die TeilnehmerInnen ihre Kommunikations- und Argumentationsfaehigkeit und stärken dabei ihr Selbstbewusstsein. Foto: Christoph Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe
Ein Besuch im „Livelihood Ressource Center“ in East Amman.
„Ich will wissen, wie es euch geht. Was sagen euer Kopf, euer Herz, eure Hände und Füße? Was wollt ihr in eurem Leben arbeiten und mitgestalten?“ fragt Raidah ihre Workshop-Teilnehmer*innen. Fast 30 Personen Jugendliche, Frauen mit Kindern und ältere Männer sitzen in Tischgruppen von 5-6 Personen im karg eingerichteten Festsaal des Livelihood Ressource Centers , einem Projekt der Diakonie Katastrophenhilfe im jordanischen East Amman.

An einem Tisch sitzt Bushra (25), die mit ihren fünf Kindern vor den Bombardements in Daara geflüchtet ist. Neben ihr sitzt Armi (32) aus Jordanien, der seit seiner Kindheit im Rollstuhl sitzt und mit den alltäglichen Herausforderungen umgehen muss, die seine Behinderung mit sich bringt. Und dann ist da noch Ahmad (19), der mit seiner Mutter den Kurs besucht, in der Hoffnung, trotz seiner intellektuellen Behinderung ein selbstständiges Leben führen zu können. Inmitten dieser Gruppe steht Raidah und lässt nicht locker mit ihren Fragen. Sie ist Mitarbeiterin der lokalen Partnerorganisation IOCC und Trainerin im Kurszentrum. Mit zwanzig Jahren Berufserfahrung im Bereich der humanitären Hilfe hat sie schon so Manches erlebt. Sie weiß, wie wichtig es ist, Menschen, die sich jahrelang in einer scheinbar ausweglosen Situation wiederfinden, aufzubauen und in die Selbständigkeit zu begleiten.
Wenn sie das erste Mal zu uns kommen, sind sie verzweifelt. Was wir ihnen geben, ist Hoffnung!
Raidah (45) ist Trainerin am Livelihood Ressource Center in East Amman. Sie leitet Kurse für jordanische und syrische Menschen, um sie auf die Arbeitswelt vorzubereiten. Foto: Christoph Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe
Raidah (45) ist Trainerin am Livelihood Ressource Center in East Amman. Sie leitet Kurse für jordanische und syrische Menschen, um sie auf die Arbeitswelt vorzubereiten. Foto: Christoph Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe

„Wenn sie das erste Mal zu uns kommen, sind sie verzweifelt und haben die Erwartung, dass wir ihnen Geld geben, Gutscheine für Lebensmittel verteilen oder ihnen bei der Mietzahlung Unterstützung anbieten. Aber das können wir nicht. Was wir ihnen geben, ist Hoffnung!“ berichtet Raidah. Diese Hoffnung besteht aus praktischer Berufsausbildung und Hilfe bei der Jobsuche.

„Doch bevor ihr eine Berufsausbildung beginnen könnt, müsst ihr euch gut überlegen, was ihr gerne arbeiten möchtet. Wo liegen eure Talente? Was könnt ihr besonders gut? Und wenn ihr das wisst, dann sagt mir, welche ersten Schritte ihr mit Kopf, Herz, Händen und Füßen setzen wollt, um diesem Ziel näher zu kommen“ , ergänzt Raidah. So schwerfällig die Fragen im ersten Moment wirken, so sehr beleben sie die Gruppe. Es wird emotional miteinander diskutiert. Tränen und herzhaftes Lachen wechseln einander ab. An diesem Ort wird die Spannung greifbar, die sich in den Jahren der Flucht und der Sehnsucht nach der Heimat aufgebaut hat.

Talente finden und gemeinsam erste Schritte setzen

Raidah hilft den KursteilnehmerInnen beim Ausfüllen ihrer Arbeitszettel. Foto: Christoph Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe
Raidah hilft den KursteilnehmerInnen beim Ausfüllen ihrer Arbeitszettel. Foto: Christoph Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe

Das Kurs-Zentrum liegt in East Amman, dem ärmsten Viertel der Millionen-Metropole, mit dem höchsten Anteil an syrischen Flüchtlingen in ganz Jordanien. Hier werden Workshops zur Berufsorientierung, Berufsausbildungen und Jobmessen für Menschen mit Behinderungen und Frauen angeboten. Innerhalb weniger Wochen ist der Ort so zu einer Anlaufstelle für syrische und sozial benachteiligte jordanische Familien geworden. Neben der persönlichen Auseinandersetzung mit den eigenen Talenten werden in den Workshops auch Job-Interviews und alltägliche Berufssituation im Berufsalltag in Rollenspielen nachgespielt. Eine wertvolle Übung, die das Selbstbewusstsein der Teilnehmer*innen natürlich stärkt.

„Und ja, es funktioniert...“, betont Raidah. So müssen für zukünftige Jobmessen neue Räumlichkeiten gesucht werden, weil zuletzt mehr als 370 Personen daran teilgenommen haben. „...und auch wenn unsere TeilnehmerInnen einen Job gefunden haben, so bleiben sie dennoch mit uns in Kontakt oder kommen vorbei, um mit uns zu reden.
Wir begleiten sie in ihrem Alltag.“