„Für meine Familie gebe ich alles“

Montag, 2. September 2019
  • Wasser bildet für die Viehhirten in Somalia die Basis ihrer Lebensgrundlage.
  • Der Bau von Wasserbecken und -dämmen soll die Auswirkungen der nächsten Trockenperiode mildern.
  • Mit Wassertanks und einem solarbetriebenem Pumpsystem können Haushalte und das Nutzvieh trotz der Dürre versorgt werden. ©CPD
    Zusätzlich werden Wasserstellen ausgebessert und gegen Verschmutzung gesichert.
Die Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt mit einem „Cash for Work“-Programm Viehhirten in Somalia bei der Sicherung ihrer Lebensgrundlagen. Die größte Herausforderung für Mensch und Vieh in der Region ist die Wasserkonservierung.

Wasser als Lebensgrundlage

Dahir ist 62 Jahre alt und lebt in Gabdhale, einem Dorf im Distrikt Hobyo (Region Galmudug). „Ich habe sieben Kinder“, erzählt er. „Vor zwei Jahren starb mein ältester Sohn. Er hatte Malaria. Das war der traurigste Tag in meinem Leben.” Im selben Jahr verlor Dahir aufgrund der schweren Dürre in ganz Ostafrika auch einen Großteil seines Viehs, was den Lebensunterhalt der Familie erheblich beeinträchtigte. Monate später wurden er und seine Familie zu Vertriebenen. Die Al Shabaab-Miliz überfiel sein Dorf und brannte die Hütten nieder. „Wir hatten Angst um unser Leben, verbrachten Nächte unter Bäumen. Zu Fuß flohen wir in die 60 Kilometer entfernte Siedlung Gawaan, wo wir bei Freunden unterkamen.“

Vier Monate blieb die Familie dort, dann kehrten sie zurück in ihre Heimat. Denn die Weidegründe um Gabdhaale sind trotz anhaltender Dürreperioden besser als in anderen Gegenden und als Viehhirten leben sie von ihren Tieren. „Als Vater habe ich schon oft Momente erlebt, in denen ich nicht wusste, wie ich die Familie durchbringen sollte. Aber ich lebe noch“.

Im September 2018 kam CPD, die Partnerorganisation der Diakonie Katastrophenhilfe, in Dahirs Dorf. Dahir wurde als Begünstigter des Cash-for-Work-Programms zum Bau von Wasserbecken registriert. „Der Zeitpunkt war gut, denn wir mussten ja unser zerstörtes Zuhause neu aufbauen und brauchten dafür Geld“, erzählt er. Die Wasserbecken sollten zur nächsten Regenzeit bereitstehen, um Wasser zu sammeln und die Auswirkungen der nächsten Trockenperiode zu mildern. „Die Arbeit war hart, aber ich habe es geschafft. Denn für meine Familie gebe ich alles“.

Was ist Cash for Work?

Cash for Work-Programme sind Beschäftigungsprogramme, die dazu dienen, nach einer Katastrophe oder in einer Krisensituation die Einkommenssituation der betroffenen Menschen für den Übergang zu stabilisieren. Das Prinzip ist einfach: Die Menschen verrichten Arbeit, die meist der ganzen Gemeinde dient, und erhalten dafür einen Lohn.

36 Tage arbeitete Dahir an der Errichtung des Wasserbeckens mit. Dafür bekam er von CDP 180 Dollar Lohn und konnte Nahrung und andere lebenswichtige Güter für seine Familie kaufen. „Ich weiß, dass es in den Städten mehr Hilfe gibt. Aber wir sind Hirten und leben von unserem Vieh. Deshalb bin ich sehr froh, dass CPD hier in unsere abgele-gene Gegend gekommen ist. Es war die erste Hilfe, die ich jemals in meinem Leben be-kommen habe“, sagt der Familienvater. „Dafür bin ich sehr dankbar.“