Lokalaugenschein: dramatische Situation von Flüchtlingen aus Syrien im Libanon

Mittwoch, 1. April 2015
Mütter mit Kindern nach ihrer Ankunft im Flüchtlingscamp in Suruç, Türkei. ©Mike Kollöffel/ACT
Mütter mit Kindern nach ihrer Ankunft im Flüchtlingscamp in Suruç, Türkei. ©Mike Kollöffel/ACT

Österreich ist mit der Umsetzung der zugesagten humanitären Aufnahme von Syrienflüchtlingen im Verzug

"Wer minderjährige Kinder in einer Flüchtlingssiedlung im Libanon gesehen hat, deren schwerkranke Mutter keine Gesundheitsversorgung bekommen kann, versteht nicht, wie Europa und Österreich die Umsetzung der humanitären Aufnahme derart verschleppen kann", betonten Michel Reimon und Joe Weidenholzer (beide sind österreichische Mitglieder im Europaparlament ), nach ihrem Lokalaugenschein in einer Flüchtlingssiedlung im Libanon, bei einer Pressekonferenz der Diakonie am 1.April in Wien.

4 Millionen Menschen sind bis jetzt aus Syrien in die Nachbarländer geflohen. 85 % davon - das sind 3,4 Millionen - leben laut UNHCR nicht in den von der UN errichteten Lagern. Das heißt, sie kommen in einem inoffiziellen Lager unter, mieten sich eine Wohnung, leben in einem noch nicht fertig gestellten Neubau, oder wenn sie Glück haben, bei einer Gastgeberfamilie.

Hilfe für Flüchtlinge in den Nachbarländern Syriens

Hilfsorganisationen wie die Diakonie Katastrophenhilfe unterstützen die Menschen im Libanon, wo es möglich ist. „Wir verteilen die lebensnotwendigsten Dinge, wie Kleidung, Decken, Öfen, Nahrungsmittel. Außerdem brauchen die Flüchtlinge dringend psychosoziale Unterstützung, denn die Traumatisierung geht bei den meisten tief“, betont Dagmar Lassmann, Leiterin der Diakonie Katastrophenhilfe, die vor Ort mit Partnerorganisationen zusammen arbeitet.

Aufnahme von Syrienflüchtlingen in Europa

„Was nun die Flucht nach Europa angeht war die Antwort der Aufnahmeländer auf diese größte Flüchtlingskatastrophe nach dem Ende des 2. Weltkrieges bisher mehr als zurückhaltend“, betont Christoph Riedl, Leiter des Diakonie Flüchtlingsdienst.

Österreich hat nach 2 Jahren Krieg und Flucht Ende 2013 zunächst die Aufnahme von 500 Flüchtlingen zugesagt und dann auf 1.500 aufgestockt. Davon konnten die ersten 500 adäquat versorgt werden.

Die Vorbereitungen an für Aufnahme von weiteren 600 Flüchtlingen über UNHCR laufen jedoch nur sehr schleppend an. Nun sollen noch im April die ersten 45 Flüchtlinge des 2. Kontingents nach Österreich kommen. Doch um die notwendigen Betreuungs- und Integrationsleistungen und die Beschaffung von Wohnraum beauftragen zu können, wartet das Außen- und Integrationsministerium noch auf die Zusage von Fördermitteln aus Brüssel.

Die Diakonie kritisiert dies, weil nun die Gefahr besteht, dass diese 600 Flüchtlinge wieder vorerst in Grundversorgungsquartieren untergebracht werden, die sie dann nach spätestens vier Monaten wieder verlassen müssen.

Eine solche Situation sollte jedoch unbedingt vermieden werden,

1. weil die Grundversorgungsquartiere für diese besonders verletzlichen Menschen – und aus diesem Grund wurden sie ausgewählt –  den für sie nötigen höheren Betreuungsbedarf meist nicht abdecken können

2. weil ohnedies ein ständiger Mangel an Grundversorgungsquartieren herrscht

3. weil diese besonders verletzlichen Menschen in einem für sie fremden Land auf diese Art zwei Mal neu beginnen müssen. Denn vor ihrer Abreise kann ihnen niemand sagen, wo sie nach ihrer Ankunft in Österreich wohnen werden und wer sie betreuen wird.

Wir appellieren daher an Außen- und Integrationsminister Kurz, umgehend so schnell wie möglich die Mittel für die notwendigen Betreuungs- und Integrationsleistungen bereitzustellen und zwar unabhängig davon ob die Zusage aus Brüssel nun schon eingetroffen ist oder nicht.