Corona-Krise: Notfalleinsatz zur Evakuierung der Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln

Montag, 23. März 2020
Ein Flüchtling blickt durch einen Grenzzaun (Foto: Thomas Lohnes/DKH)
Grenze in Griechenland (Foto: Thomas Lohnes/DKH)
Diakonie richtet dringenden Appell an die EU Institutionen
Ein Flüchtling blickt durch einen Grenzzaun (Foto: Thomas Lohnes/DKH)
Update - Breite Unterstützung für den Appell - 27. März 2020

Die Diakonie Österreich richtet gemeinsam mit bisher rund 150 kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen aus Österreich und aus ganz Europa, einen dringenden Appell an SpitzenpolitikerInnen der EU und den griechischen Regierungschef: „Wir fordern Sie unverzüglich zur Evakuierung der Flüchtlingslager und Hotspots auf den griechischen Inseln auf, um eine Katastrophe inmitten der Covid 19-Pandemie zu verhindern.“

Breite und auch internationale Unterstützerschaft

Der Aufruf wird auch bereits von zahlreichen Personen des öffentlichen Lebens, wie dem evangelisch lutherischen Bischof Michael Chalupka, dem katholischen Diözesanbischof Hermann Glettler, dem Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi, der EU Abgeordneten Bettina Vollath, sowie dem ehemaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis unterstützt.

„Corona macht die Evakuierung, welche die Diakonie bereits mehrfach gefordert hat, noch dringlicher. Europa muss jetzt so schnell wie irgendmöglich handeln und in einem Notfalleinsatz die Geflüchteten auf den griechischen Inseln in geeignete Unterkünfte bringen – zum Schutz nicht nur der Flüchtlinge selbst, sondern auch der ortsansässigen Bevölkerung und der Hilfskräfte. Es ist nicht auszudenken, was passiert, wenn es zu einem Covid 19-Ausbruch in den Lagern kommen sollte“, so Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser mit Verweis auf Ärzte ohne Grenzen.

Die renommierte Hilfsorganisation berichtet, dass es etwa im Lager Moria auf Lesbos nur eine Wasserzapfstelle für 1.300 Bewohner gibt und Seife nicht erhältlich ist. Fünf- oder sechsköpfige Familien müssen auf drei Quadratmetern Fläche schlafen.

Hilfe vor Ort ist nicht genug

Hilfe vor Ort könne einen Ausbruch unter diesen Umständen nicht eindämmen, ist die Diakonie überzeugt. Vielmehr brauche es eine gemeinsame Kraftanstrengung der EU-Mitgliedsstaaten, um zum einen Griechenland bei der Einrichtung geeigneter Unterkünfte auf dem Festland zu unterstützen, zum anderen aber auch Schutzsuchende in leerstehenden Quartieren in anderen EU-Ländern unterzubringen. Schutzsuchende sollten direkt in aufnahmebereite Länder ausgeflogen werden, dort zunächst in Quarantäne kommen und medizinisch und psychologisch betreut werden, während ihre Asylverfahren durchgeführt werden. „Griechenland kann das nicht alleine stemmen, Österreich kann hier nicht tatenlos zusehen“, betont die Diakonie-Direktorin.

Österreich soll sich an Aufnahme von Kindern beteiligen

Moser verweist auch auf die Ankündigung des deutschen Innenministers Horst Seehofer, trotz der Einreisebeschränkungen aufgrund der Corona-Krise an seiner Zusage festzuhalten und gemeinsam mit anderen EU-Staaten wie Frankreich, Irland, Portugal und Finnland Menschen aus den griechischen Lagern aufzunehmen: „Wenn sich Österreich schon nicht dazu durchringen konnte, mit gutem Beispiel voranzugehen, dann sollten wir jetzt dem Beispiel Deutschlands folgen und uns solidarisch an europäischen Initiativen beteiligen.“

Menschenrecht auf Asyl muss weiter gelten

In ihrem Appell an die SpitzenpolitikerInnen der EU zeigen sich die unterzeichnenden Organisationen „aufgrund ihrer Erfahrung in der Betreuung und Beratung von geflüchteten Menschen sicher, dass die derzeitige Krise an den EU Außengrenzen im Rahmen der Möglichkeiten der EU bewältigbar“ ist.

Gleichzeitig verlangen die zivilgesellschaftlichen Organisationen die sofortige Wiederherstellung des Menschenrechts, Asyl zu suchen. „Dazu gehört die Entgegennahme und Behandlung von Asylanträgen in fairen Asylverfahren und die Nichtbestrafung von Grenzübertritten von Menschen, die Asylanträge stellen, sowie die vollständige Achtung des Non-Refoulement-Gebots, das derzeit durch rechtswidrige Pushbacks unterlaufen wird“, heißt es dazu wörtlich im Appell.

Weitere Unterstützung des Aufrufes möglich

Die Liste der unterstützenden Organisationen und Einzelpersonen wird laufend ergänzt. Zivilgesellschaftliche Organisationen , die den Aufruf unterstützen wollen können dies noch die ganze Woche auf www.urgentletter.at tun.

Der offene Brief an die EU-Institutionen ist hier zum Download
Den Aufruf haben bisher folgende rund 150 Organisationen unterzeichnet

Diakonie bittet um Spenden

Die Situation für Flüchtlinge in Griechenland ist dramatisch. Ihre Spende finanziert Lebensmittel, Kleidung, Hygieneartikel und Schlafsäcke. Danke!

Erste Bank
Kennwort: Flüchtlingshilfe Griechenland
IBAN: AT49 2011 1287 1196 6399 BIC: GIBAATWWXXX

Online Spenden hier