Eine Gesundheitsstation für Frauen und Kinder in East Amman

Mittwoch, 19. September 2018
  • In der Klink des Institute for Health (IFH) in East Amman: die Voluntärin Khwala (30 Jahre) ist im Gespräch mit der hörgeschädigten Raghad (17 Jahre). Zusammen mit ihrer Tochter Shaghed (3 Monate) hat Raghad an einer Awareness Session teilgenommen.
    In der Klink des Institute for Health (IFH) in East Amman: Die Voluntärin Khwala ist im Gespräch mit der hörgeschädigten Raghad. Zusammen mit ihrer Tochter Shaghed hat Raghad an einer Awareness Session teilgenommen.
  • Eine Frau ist im Gespräch mit der Voluntärein Khwala (30 Jahre), die die Daten von ihr und ihrem Sohn aufnimmt.
    Eine Frau ist im Gespräch mit der Voluntärein Khwala, die die Daten von ihr und ihrem Sohn aufnimmt.
  • In einer Awareness Session werden Frauen über das Thema Behinderung unterrichtet.
    In einer Awareness Session werden Frauen über das Thema Behinderung unterrichtet.
Im Osten der jordanischen Hauptstadt Amman auf einer Anhöhe gelegen befindet sich eine kleine Gesundheitsklinik. Sie wird betrieben von der lokalen Partnerorganisation der Diakonie Katastrophenhilfe - dem Institute for Health (IFH).

Das Institut hat sich in den fünf Jahren seiner Existenz zu einer wichtigen Anlaufstelle für Frauen und Kinder etabliert. In den kommenden Monaten wird das Zentrum mit Unterstützung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) weiter ausgebaut. So entsteht eine spezialisierte Einrichtung für die Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Sprachbehinderungen und Sehbeeinträchtigungen.

„Es herrscht Aufbruchsstimmung“, berichtet die Leiterin der Klinik und ergänzt: „Der Bedarf innerhalb der syrischen Flüchtlings-Community und der verarmten jordanischen Bevölkerung in East Amman ist sehr groß und nimmt stetig zu. In den Krankenhäusern können sie nicht die gleiche umfassende Betreuung bieten, die wir hier haben."

Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen davon aus, dass in knapp 30% der syrischen Flüchtlingshaushalte in Jordanien ein Mensch mit Behinderung lebt. Für sie birgt die Bewältigung des Alltags nicht nur zusätzliche Hürden, auch ihre soziale Teilhabe und Inklusion in das (Aus-)Bildungssystem und in den Arbeitsmarkt findet bisher kaum statt.

Mitarbeiterin Rihan (42 Jahre) ist die Augenspezialistin in der Klinik.
Mitarbeiterin Rihan (42 Jahre) ist die Augenspezialistin in der Klinik.

Arbeit mit Herz und Begeisterung

Rihan (42) ist Optikerin und die Leiterin der neuen Sehklinik. Trotz gut bezahltem Job und langjähriger Erfahrung in der Privatwirtschaft hat sie sich entschieden, die neue Herausforderung anzunehmen. Ihre Motivation:

„Ich will den Menschen ihrer schweren Lebenssituation helfen. Sie brauchen unsere Unterstützung und schon mit kleinen Maßnahmen können wir sehr viel bewirken, damit sie ein selbstständigeres Leben führen können“.

Mitarbeiterin Ola (24) hat an der Universität von Amman Logopädie studiert und ist nun Hörspezialistin der Klinik.
Mitarbeiterin Ola (24) hat an der Universität von Amman Logopädie studiert und ist nun Hörspezialistin der Klinik.

Ola (24) ist die leitende Sprachtherapeutin. Sie kommt direkt von der Universität und sieht in der Klink eine Antwort auf die bestehenden Versorgungsengpässe: „Wenn Familien Probleme haben, müssen sie ins örtliche Spital, aber die spezifische Betreuung gerade für Kinder fehlt. Wir wollen den Menschen helfen, die sonst niemand wahrnimmt.“

Um besonders bedürftige Haushalte zu finden, sind Freiwilligen-Teams in East Amman im Einsatz und sprechen mit betroffenen Familien. Khwala (30) ist eine von ihnen. Sie ist selbst aus Syrien geflüchtet und ist seit ein paar Wochen im Einsatz für das Projekt der Diakonie. „Am Anfang war es nicht leicht. Ich musste viel lernen über das Thema Behinderung und auch erst lernen hinzusehen. Das hat gebraucht, aber jetzt liebe ich meine Arbeit.“

Workshops für Mütter und Schwangere

Ein besonderer Schwerpunkt wird auch auf die Prävention und Früherkennung von Behinderungen gelegt. In niederschwelligen Workshops erhalten syrische und jordanische Frauen Informationen zum Thema Behinderung und die Möglichkeit, mit den Expertinnen im Zentrum ins Gespräch zu kommen. Welche Arten von Behinderungen gibt es? Wie erkennt man diese? Und wie gehe ich mit dem Thema Behinderung in meiner Familie und meinem Umfeld um? – Diese Fragen stehen häufig am Beginn der Auseinandersetzung der Frauen mit dem Thema.

„Ich dachte immer, Behinderungen seien angeboren. Jetzt habe ich gelernt, dass auch Erkrankungen Behinderungen auslösen können. Das war neu für mich“, erzählt Muna (35) nach dem Besuch des Workshops. Ihre Kollegin Dalal (42) ergänzt: „Wir dürfen unsere Kinder nicht verstecken. Das ist wichtig für die Integration und ihre persönliche Entwicklung.“