Serbien / Bosnien-Herzegowina

Christian

Ein Jahr nach dem Hochwasser

  • Frau Osmanovic hat nach der Flut alles verloren. Ein Jahr nach dem Hochwasser kann sie in ihr neues Haus in Nemila einziehen. ©Teresa Mayr/DKH
    Frau Osmanovic hat nach der Flut alles verloren. Ein Jahr nach dem Hochwasser kann sie in ihr neues Haus in Nemila einziehen. ©Teresa Mayr/DKH
  • Auch ein Jahr nach dem Hochwasser sind die Schäden nach der Jahrhundertflut sichtbar. Krupanj war besonders schwer von den Wassermassen betroffen. ©Ben Nausner/DKH
    Auch ein Jahr nach dem Hochwasser sind die Schäden nach der Jahrhundertflut sichtbar. Krupanj war besonders schwer von den Wassermassen betroffen. ©Ben Nausner/DKH
  • Bereitstellung von Baumaterial und Werkzeug für den Wiederaufbau nach der Flut. ©Hungarian Interchurch Aid/ACT
    Bereitstellung von Baumaterial und Werkzeug für den Wiederaufbau nach der Flut. ©Hungarian Interchurch Aid/ACT
  • Verteilung von Hilfsgütern in Zusammenarbeit mit dem ACT Alliance Partner Philanthrophy in der Region um Šabac, Serbien.
    Verteilung von Hilfsgütern in Zusammenarbeit mit dem ACT Alliance Partner Philanthrophy in der Region um Šabac, Serbien. ©Joanna Kinberger
  • In Doboj und Umgebung werden über unseren lokalen Partner Menschen mit schweren Behinderung mit Hilfsgütern versorgt und beim Wiederaufbau unterstützt.
    In Doboj und Umgebung werden über unseren lokalen Partner Menschen mit schweren Behinderung mit Hilfsgütern versorgt und beim Wiederaufbau unterstützt. ©DfD
  • Auch Wochen nach der Flut stand das Wasser noch meterhoch in zahlreichen Häusern und Höfen.
    Auch Wochen nach der Flut stand das Wasser noch meterhoch in zahlreichen Häusern und Höfen. ©Ben Nausner

Nach der Jahrhundertflut im Mai 2014 kehrt in Serbien und Bosnien-Herzegowina erst langsam wieder Normalität ein. Die drei Tage andauernden Regenfälle haben zahlreiche Bäche und kleine Flüsse in reißende Ströme verwandelt, die über die Ufer getreten sind und ganze Landstriche verwüstet haben. Die schweren Schäden an Infrastruktur, Wohnhäusern und Ackerflächen sind in einigen Regionen bis heute sichtbar. Gemeinsam mit langjährigen lokalen Partnerorganisationen unterstützt die Diakonie Katastrophenhilfe betroffene Familien bis heute, ein Jahr nach der Flut, beim Neuanfang und Wiederaufbau.

„Wir sind froh über die Hilfe der Diakonie, denn damit können wir hier im Ort die Dinge einkaufen, die uns im Haushalt am meisten fehlen,“  berichtet Rosa Gosic. Sie lebt in Krupanj, einem Dorf in Westserbien, das besonders schwer vom Hochwasser betroffen war.  Die Ortschaft war während der Flut tagelang von der Außenwelt abgeschnitten. Unzählige Hektar Ackerfläche wurden durch die Wassermassen fortgespült, verschüttet und mit Schwermetallen aus einer aufgelassenen Antimon-Mine verseucht. Gemeinsam mit der lokalen Partnerorganisation Philanthropy unterstützte die Diakonie im vergangenen Jahr Familien wie jene von Rosa, die neben ihrer Pension keine Einkommensmöglichkeiten haben. Mit einem speziellen Voucher-Programm und in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden wurden Familien, die in besonders schwierigen Lebenssituationen stehen, ausfindig gemacht und bis heute von den lokalen Partnern unterstützt.

Und dann kam das Wasser

Schon in den Wochen vor dem Hochwasser war der Boden durch häufige Regenfälle mit Wasser gesättigt. Als dann von 14.5. bis 17.5. Starkregen einsetzte, nahm die Katastrophe ihren Lauf. Die tagelang andauernden Niederschläge haben in weiten Teilen Kroatiens, Bosnien-Herzegowinas und Serbiens zu umfassenden Überflutungen geführt. Zehntausende Menschen mussten evakuiert werden, hunderttausende waren von der Flut direkt betroffen. 59  Menschen kamen ums Leben. Die Schäden an Infrastruktur und Gebäuden wurden von offiziellen Behörden mit jenen der Balkankriege 1992 bis 1995 verglichen.

Lebensgrundlage schaffen und Einkommen sichern

In den ersten Wochen nach dem Hochwasser wurden über das Partnernetzwerk der Diakonie Katastrophenhilfe Lebensmittel, Trinkwasser und Hygienepakete an Familien verteilt.  Nachdem das Wasser sich langsam zurückgezogen hatte, konnte mit ersten Aufräum- und Desinfektionsarbeiten begonnen werden, die auch durch Einsatzteams der lokalen Partnerorganisationen unterstützt wurden.

"In den ersten Wochen nach der Flut war es besonders wichtig, die Lebensgrundlage der betroffenen Bevölkerung abzusichern." berichtet Dragan Makojevic, Leiter vom Diakonie Partner Philanthropy. Mit der Verteilung von Gemüse- und Getreidesaatgut und der Bereitstellung von benötigtem Werkzeug hat die Diakonie Katastrophenhilfe geholfen. Mehr als 1.400 Haushalte wurden über diese Hilfsmaßnahmen erreicht. Außerdem wurden 50 Tonnen an Futtermittel für Vieh umgehend zur Verfügung gestellt.

Wiederaufbau und Instandsetzung von Wohnraum

„Die Flut hat alles zerstört. Von einem Tag auf den anderen habe ich alles verloren. Mein Haus, meine Möbel - einfach alles!“ berichtet Hadzira. Sie ist Pensionistin und lebt mit ihrem Sohn in Nemila, Bosnien-Herzegowina. Die Flut hat ihre kleine Hütte mitgerissen und völlig zerstört. „Dass ich ein Jahr nach dem Hochwasser wieder in meinen eigenen vier Wänden schlafen kann, ist für mich einfach unglaublich. Ich bin von Herzen dankbar!“ erzählte sie einer Mitarbeiterin der Diakonie Katastrophenhilfe, die sie ein Jahr nach der Flut in ihrem neuen Haus besucht hatte.
In Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern und dank der Unterstützung der Stadt Wien wurden rund 200 Wohnungen und Häuser instandgesetzt bzw. wurden an betroffene Familien Bauwerkzeug und -material verteilt. Zur fachlichen Beratung und Begleitung standen außerdem Bauingenieure zur Verfügung. Auch die Hauseigentümer wurden weitgehend in die Reparatur- und Reinigungsarbeiten eingebunden. So konnten sie aus eigener Kraft an der Verbesserung ihrer Lebenssituation mitwirken.

Für kommende Katastrophen gerüstet sein – Workshops in Katastrophenvorsorge

Um im Falle einer Katastrophe besser vorbereitet zu sein, wurden speziell angepasste 3-tägige Trainingsworkshops in den Bezirken Kolubara und Macva abgehalten. Gemeinsam mit dem serbischen Innenministerium, den lokalen „Emergency-Units“ der betroffenen Gemeinden sowie dem lokalen Partner der Diakonie Katastrophenhilfe wurden so bestehende Pläne überarbeitet und verbessert. „Das Training hat uns geholfen, unsere Zuständigkeiten besser abzuklären und hat uns gezeigt, wie wir unsere Hilfe im Falle von zukünftigen Katastrophen verbessern können“ berichtet ein Teilnehmer des Workshops in Lajkovac.

Diakonie stellt weitere Gelder für Hilfe zur Verfügung

Insgesamt wurden über die Diakonie Katastrophenhilfe bisher mehr als Euro 600.000,- an Mitteln für die Betroffenen des Hochwassers zur Verfügung gestellt. Um die wichtige Arbeit der lokalen Partnerorganisationen auch ein Jahr nach der Flut weiter zu ermöglichen, stellt die Diakonie Katastrophenhilfe weitere Gelder für ein Wiederaufbauprojekt in Doboj, Bosnien-Herzegowina, zur Verfügung. „Auch ein Jahr nach der Katastrophe dürfen wir die Menschen in der Flutregion nicht vergessen.“ erklärt Dagmar Lassmann, Leiterin der Diakonie Katastrophenhilfe. „Die Lebensumstände waren für viele schon vor der Flut nicht leicht. Jetzt, ein Jahr danach brauchen viele noch unsere Hilfe!“ 

So können Sie helfen

Um die wichtige Arbeit der lokalen Partner der Diakonie weiter unterstützen zu können bitten wir weiterhin um Spenden unter dem Spendenzweck „Fluthilfe Südosteuropa“

Diese Seite wurde aktualisert am 05.10.2017