Katastrophenvorsorge rettet Leben: Caroline Hüglin im Interview

Freitag, 2. November 2018
  • Kinder schauen neugierig in den Eimer mit Hilfsgütern, die ihre Familien bekommen haben. Die Parterorganisation CDRC verteilt Lebensmittel, Hygieneartikel, Schlafmatten und Decken an Betroffene. Foto: CDRC
  • Der Sturm verwüstete Teile des Nordens der Philippinen. Foto: CDRC
  • Der Sturm verwüstete Teile des Nordens der Philippinen. Foto: CDRC
Erst im September 2018 hat Taifun Manghkut auf den Philippinen gewütet. Der Sturm hat tausenden Menschen das Leben gekostet und vielen die Existenzgrundlage geraubt. Was kann Katastrophenvorsorge in diesen, häufig von Naturkatastrophen betroffenen Gebieten leisten? Wir fragen Caroline Hüglin, die die Hilfe für Taifunopfer auf den Philippinen für die Diakonie Katastrophenhilfe koordiniert.
Caroline, wie funktioniert Katastrophenvorsorge bei der Diakonie Katstrophenhilfe und in Ländern wie den Philippinen?

Viele Naturkatastrophen kündigen sich mit etwas Vorlauf an. Dass der Tsunami Mangkhut auf Land trifft, war ja schon ein paar Tage vorher klar. In den Dörfern gründen sich schon vor der Katastrophe Gruppen, die klar abstecken, wer sich im Katastrophenfall um was kümmert.

  • Wer läuft zum Beispiel mit dem Megaphon durch das Dorf und warnt die Bürger vor?
  • Welches Gebäude im Dorf ist so sicher gebaut, dass es als Evakuierungszentrum dienen kann?
  • Welche Menschen brauchen Hilfe bei der Evakuierung, alte Menschen oder Menschen mit Behinderung zum Beispiel?
  • Wo kann erste Hilfe geleistet werden?
  • Wer kümmert sich aber auch nach der Katastrophe darum, den Schaden zu erheben?

Wir unterstützen mit unseren Partnern die Gründung solcher Katastrophenvorsorge-Komitees und helfen den Gruppen dabei, mögliche Gefahren zu identifizieren. Diese Katastrophenvorsorgekomitees organisieren auch Dinge wie gemeinsame Saatgutspeicher, um ihre Lebensgrundlagen nach Katastrophen schnell wiederherstellen zu können.

"Wir haben gemerkt, dass ein Komitee am besten arbeitet, wenn es an schon existierende Strukturen andockt, also zum Beispiel an einen lokalen Bauernverein oder eine Frauenorganisation."
Sind die Menschen besser gewappnet, wenn es in dem Ort ein Katastrophenvorsorge-Komitee gibt?
Eindeutig ja! Wir haben auf den Philippinen zwischen 2008 und 2012 an 72 verschiedenen Orten Schulungen durchgeführt und die Gründung von Komitees angestoßen. Als Super-Taifun Yolanda dann 2013 über die Philippinen zog, konnten wir in unseren betroffenen Gemeinden eindeutig feststellen, dass die Menschen dort besser vorbereitet waren als an anderen Orten, in denen es diese Gruppen nicht gibt.
Hilfe über lokale Partnerorganisationen erreicht auch die entlegenen Gebiete rasch und wirksam. Foto: CDRC
Hilfe über lokale Partnerorganisationen erreicht auch die entlegenen Gebiete rasch und wirksam. Foto: CDRC
Die Menschen sind dann also besser auf den Taifun vorbereitet, aber ändert das etwas an der Not, nachdem sich die Katastrophe ereignet hat?

Die Komitees sind auch dafür zuständig, den Schaden zu ermitteln und die Nothilfe anzustoßen. Unser Partner auf den Philippinen ist sowieso in ständigem Kontakt mit den Komitees in den einzelnen Dörfern. Dadurch kann der Hilfsbedarf sofort an unseren Partner weitergegeben werden, der sich wiederum direkt bei uns melden kann.

Wir sind also viel schneller mit den Menschen in entlegenen Regionen in Kontakt und können Hilfe anschieben, da wir genau wissen, was die Menschen brauchen. Damit hat eine gute Vorsorge auch einen direkten Einfluss auf gute Nothilfe.