"Um meine Familie zu retten, musste ich alles zurücklassen"

Montag, 12. Juni 2017
Unter Bäumen und in notdürftigen Unterkünften suchen die Menschen im Higlaley Camp Zuflucht. ©ACT
Unter Bäumen und in notdürftigen Unterkünften suchen die Menschen im Higlaley Camp Zuflucht. ©ACT
Abdullahi Mohamed Diriye ist 71 Jahre alt. Seit November lebt er mit seiner Familie in einem Vertrieben-Camp in Bahdo, im Adado Distrikt. Durch die Dürre verloren er und seine Familie alle 310 Ziegen, von denen sie lebten. Um zu überleben flohen sie im November in das Camp. Abdullahi gehört zu den Begünstigten der Bargeldhilfen, die die Diakonie Katastrophenhilfe zusammen mit der Partnerorganisation Centre for Peace and Democracy (CPD) in der Region Galmuduq leistet.
Abdullahi Mohamed Diriye im Higalaaley-Camp in Bahdo, Adado Distrikt. ©ACT
Abdullahi Mohamed Diriye im Higalaaley-Camp in Bahdo, Adado Distrikt. ©ACT
„Zuerst setzte ich alle Ersparnisse ein und kaufte Wasser und Getreide für die geschwächten Tiere. Aber natürlich hatte ich auch die Verantwortung, für meine Familie zu sorgen. Als meine Mittel aufgebraucht waren, lieh ich mir Geld von Freunden und Verwandten. Die Schulden wollte ich mit dem verbliebenen Vieh bei Einsetzen der Regenzeit begleichen. Doch der Regen blieb aus. Um das Leben meiner Kinder und meiner Familie zu retten, war ich gezwungen, die mehr als 30 letzten Tiere zurückzulassen. Diese traurige Entscheidung musste ich fällen, denn unsere Ressourcen reichten nicht mehr für die Familie und das Vieh. Die Ziegen waren zu schwach, um noch eine Wasserstelle zu erreichen, und zu dürr, um geschlachtet zu werden. Ich musste nach einer alternativen Lebensgrundlage für mich und meine Familie suchen. Die einzige Option die wir hatten, war in die Stadt zu ziehen – in der Hoffnung, dort Hilfe zu finden. Und so landete ich hier in diesem Camp.“

Nothilfe als Überbrückung für Dürreperiode

„Ich bin sehr dankbar für die Hilfe, die ich hier bekommen habe. Über das Handy wurde mir ein Betrag von 100 Dollar gutgeschrieben, und so wie ich es verstanden habe, erhalten wir diesen Betrag auch in den beiden kommenden Monaten. Von dem Geld, das ich heute bekommen habe, werde ich 20 Dollar Schulden beim Lebensmittelhändler zurückzahlen. Von dem Rest kaufe ich Nahrung für meine Familie. Ich wünsche mir, dass die Hilfe noch länger als drei Monate geht, damit wir und andere Familien im Camp die schlimmste Zeit überstehen können“, berichtet der 71jährige Abdullahi.

So können Sie helfen

Familien wie jene von Abdullahi sind auf rasche und unkomplizierte Hilfe angewiesen. Um dies zu ermöglichen arbeitet die Diakonie Katastrophenhilfe eng mit lokalen Partnerorganisationen zusammen und verteilt Trinkwasser, Lebensmittel oder errichtet Brunnen und Pumpanlagen. 
 

Somalia ++ Bedroht von Krieg, Hunger und Dürre

Seit über 20 Jahren herrscht in Somalia Bürgerkrieg. Eine im gesamten Land anerkannte Regierung gibt es nicht, weite Teile Somalias werden von Clans und der militanten Al Shabab beherrscht. Kommen zyklisch auftretende Naturgewalten wie Dürre oder Überflutungen hinzu, treffen diese die Menschen besonders hart. Viele Vertriebene waren zuvor Pastoralisten, als Viehhirten lebten sie von ihren Herden. In der urbanen Umgebung ist es für sie schwer, sich einen Lebensunterhalt zu verdienen.

Die Situation wird durch die sich ausbreitende Dürre zusätzlich verschärft. Bereits während der zwei Regenzeiten 2016 fielen die Niederschläge unterdurchschnittlich aus: In den schwer betroffenen Gebieten ist die Ernte vertrocknet und das Vieh verdurstet. Die Regenmenge in 2017 sind bisher auch nur gering ausgefallen. Drei Millionen Menschen droht eine Hungersnot. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen ist die Zahl der auf Humanitäre Hilfe angewiesenen Menschen von 5 Millionen im September 2016 auf inzwischen 6,2 Millionen angestiegen – das ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Landes.