Somalia ++ "Wir helfen mehr als 100.000 zu überleben"

Dienstag, 27. Juni 2017
Mit Wassertanks und einem solarbetriebenem Pumpsystem können Haushalte und das Nutzvieh trotz der Dürre versorgt werden. ©CPD
Mit Wassertanks und einem solarbetriebenem Pumpsystem können Haushalte und das Nutzvieh trotz der Dürre versorgt werden. ©CPD
In Somalia herrscht Dürre. Die Trockenheit vertrieb seit November 2016 mehr als 780.000 Menschen aus ihrer Heimat. Sie haben alles verloren: Ihr Weideland ist vertrocknet, ihr Vieh ist verendet, das letzte Geld ist aufgebraucht. Auch der Bürgerkrieg schlägt viele Menschen in die Flucht: inzwischen zählt das Land am Horn von Afrika 1,8 Millionen intern Vertriebene. Die Diakonie Katastrophenhilfe hat in den letzten Monaten ihr Hilfsprogramm in dem ostafrikanischen Land massiv ausgebaut. Jürgen Feldmann, Leiter des Regionalbüros Somalia, berichtet in einem Interview von der Situation und der laufenden Hilfe.

Herr Feldmann, die Diakonie Katastrophenhilfe und die internationale Gemeinschaft sind vor Ort. Reicht die Hilfe aus?

Nein. Zwar helfen wir mehr als 100.000 Menschen zu überleben. Aber letztendlich ist unsere Hilfe ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir arbeiten zwar schon lange in den Vertriebenen-Camps, die sich entlang einer Ausfallstraße von Mogadishu gebildet haben. Aber die Zahl der Vertriebenen hat sich dort in den letzten Monaten  von 150.000 auf 300.000 Menschen verdoppelt. Und obwohl die internationale Hilfe ausgeweitet wurde, deckt sie nur einen Bruchteil des Bedarfs. Die Menschen, die vor der Dürre in die Lager geflohen sind, haben nichts mehr: Ihr Vieh ist tot, die letzten Besitztümer sind verkauft, alle Ersparnisse aufgebraucht. Wir haben dort Familien, die mit weniger als einer Mahlzeit am Tag auskommen müssen. Nicht, weil es keine Nahrung gibt. Sondern weil sie  schlichtweg kein Geld haben, Lebensmittel zu kaufen.

Wie stellen Sie sicher, dass die Hilfe der Diakonie Katastrophenhilfe bei den Bedürftigen ankommt?

Zusammen mit unseren Partnerorganisationen arbeiten wir nur in den Gebieten, die nicht von der Al Shabab Miliz kontrolliert werden. Dort könnten wir aus Sicherheitsgründen kein Monitoring durchführen. Wir sichern, dass unsere Hilfe ankommt, auch durch ein gutes Monitoring. In all unseren Projekten gibt es eine Vorher-Nachher-Dokumentation. Einen Teil  unserer Aktivitäten  besuchen wir nach Projektabschluss, um uns selbst vom Erfolg des Projekts zu vergewissern. Ein Teil der Projekte dokumentieren wir auch mit Bildmaterial sowie zugehörigen GPS-Daten und Datum. Das trifft insbesondere auf Projekte in sehr entlegenen Gebieten zu. Teilweise beauftragen wir auch Consulting-Agenturen, die für uns ein sogenanntes Post-Distribution-Monitoring durchführen.

Viele Dürre-Vertriebene sind Pastoralisten – Viehhirten –  und leben von ihren Herden. Wie hilft ihnen die Diakonie Katastrophenhilfe?

Indem wir beispielsweise Tiefbrunnen und Wasserlöcher instand setzen. Damit sichern wir, dass die Menschen mit Wasser versorgt werden. Zusammen mit unseren Partnern der ACT Alliance kümmern wir uns aber auch um die Wasserversorgung des Viehs, bauen an Wasserlöchern beispielsweise eigene Tränken für die Tiere. Das ist einmalig. Und wichtig. Denn die Tiere sind ja  die Lebensgrundlage der Menschen. Getrennte Wasserentnahmestellen für Mensch und Tier vermeidet zudem, das sich Krankheiten verbreiten.

Mit Ihrer Spenden können Sie viel bewirken:

  • Mit 16 Euro kann eine Familie sechs Monate lang mit Trinkwasser-Reinigungstabletten versorgt werden.
  • Mit 93 Euro Bargeldhilfe kann das Überleben einer sechsköpfigen Familie einen Monat lang gesichert werden.  
  • Mit einer Spende von 150 Euro leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Reparatur eines Flachbrunnens.
  • 2.300 Euro kostet die Anschaffung einer zusätzlichen Wasserpumpe für einen Flachbrunnen in Somalia. Damit wird die Wasserversorgung von mehr als 4.000 Menschen verbessert.