Schulbildung in Somalia

Donnerstag, 5. Juli 2018
Mädchen und Jungen sind auf dem Weg in die Schule im Vertriebenen-Camp in Banadir.  ©Ismail Taxta
Mädchen und Jungen sind auf dem Weg in die Schule im Vertriebenen-Camp in Banadir. ©Ismail Taxta
Die Einschulungsrate in Somalia ist eine der niedrigsten weltweit: Nur etwa jedes vierte Kind bekommt die Möglichkeit zur Schule zu gehen. Bei Kindern von Vertriebenen ist der Anteil noch geringer: Nur ein bis drei Prozent dieser Kinder geht zur Schule. Die Ursache dafür liegt darin, dass der Schulsektor nicht durch die Regierung gefördert wird und daher auf die private Unterstützung der Eltern angewiesen ist. Es werden also Schulgebühren erhoben, mit denen sich jede Schule selbst betreibt. Das können sich die meisten Flüchtlinge jedoch nicht leisten. Für Lernmaterialien und Schulgeld haben sie keine Mittel. Zudem gibt es auch nur wenige Schulen in den Camps, in denen die Vertriebenen leben.

Inzwischen haben zwei Generationen junger Menschen in Somalia eine nur sehr lückenhafte Schulausbildung – wenn überhaupt. Mädchen sind hier besonders benachteiligt, denn in der traditionell patriarchalisch geprägten somalischen Gesellschaft messen die Eltern der Bildung ihrer Töchter wenig Bedeutung bei. In den Vertriebenen-Camps in Banadir verbessert die Diakonie Katastrophenhilfe zusammen mit ihrer Partnerorganisation "Daryeel Bulsho Guud" (DBG) die Grundversorgung der Vertriebenen und errichtet temporäre Schulen. Ergänzend dazu ermöglicht das hier vorgestellte Projekt Kindern im Schulalter eine Grundbildung.

Lernen ermöglichen

Insgesamt 5.646 Schülerinnen und Schüler können durch das Projekt ein Jahr lang zur Schule gehen. Die Mädchen und Jungen kommen aus besonders bedürftigen Familien und hätten sonst keine Chance auf eine Grundbildung. Besonders begünstigt werden beispielsweise Familien, die von Frauen geführt werden oder die überdurchschnittlich viele Kinder haben. Um den Schulbesuch zu ermöglichen, werden pro Kind zwei Gutscheine für jeweils ein Halbjahr ausgegeben. Die Gutscheine können nur für Lernmaterialien und zum Begleichen der Schulgebühren eingelöst werden. Zusätzlich werden Schreibmaterialien verteilt und die Lehrstätten so ausgestattet, dass pro Klassenraum 40 Kinder lernen können.

Nachhaltiger Bildungsgutschein 

Unterrichtet werden die Kinder von Lehrern und Lehrerinnen, die selbst zu den Vertriebenen gehören und ebenfalls in den Camps wohnen. Sie erhalten von der Partnerorganisation DBG kein Gehalt, sondern werden über die Bildungsgutscheine der Kinder entlohnt. Diese können sie gegen Geld eintauschen. Durch Bonuszahlungen werden zudem Weiterbildungen für das Lehrpersonal gefördert. Die 233 Lehrer bekommen so die Möglichkeit, für ihren Lebensunterhalt selbst zu sorgen – eine würdevolle Form der Hilfe.